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freiraum
bis an den rand
des abgrunds









fritz widhalm
eine kleine leseprobe
aus 'mr.elk & mr.seal'


so ist das
......wir sind
ist nebensache
wirrwarr
so ist das
......oder spielchen
messerstecherei na ja
ich bin dafür
so ist das
......ich sterbe nicht
das klingt ganz logisch
'ringsum wogt sanft im zwielicht das ohr'

im traum ein ohr werden
so ist das
















lisa spalt
ein pröbchen aus 'saschaident'
prosa
fast wie lyrik



aha
beinahe spüren wir ihn derweis prusten
aha
hier bind ich dich
du falter-kinderl
dermassen - gfrast, oargs -
wirst du dich verzetteln
während ein rostiges pflüglein
im wanderwinkel hängt


















aus einhornscher widerborstigkeit
der nomadenhafte halbtscheche
mit der aversion gegen normpunkte
hat sich frisch rasiert und setzt neue punkte
in der stille erforscht

ludwig zeidler


















horst a.bruno
aus 'gam welt'



wer sich fand fand war
über die Welt wer Gam
Haufenwolken allem

die des Wassers ging
im Grund am See zu Stille
diese Ewigkeit

oh immer sich nur
empfand man empfand immer
zu Ewigkeit man
nur ging und Gam allem ein
war über sich
























ilse kilic
textprobe aus 'monikas chaosprotokoll'
ein umfangreiches prosawerk ohne e und u
geschrieben im sinn
der methodischen beschränkung
der 'gruppe oulipo'





ja
was klang da grad so innig im sopran
maria
solosopranistin mit viola da gamba ambtion
sagts klar
was da so innig klingt
dass davon fast das klopforgan schmilzt
das bin ich

maria ist sopranistin
als sopranistin singt man vom schicksal
bis man stirbt
singt man bass
dann tritt man im klangorganisationsdrama oft als strolch
als bandit ins licht
basston wirkt kwasi als basis von mord
von totschlag
als bassist ist man strolch
als sopranistin ist man tot

















ralf burnicki
jeder tag ist ein deal mit der hoffnung



Es sollte anders werden. Der Frühling, Hausbesetzer alten Schlages, war in den Norden eingestiegen, riß ihm sämtliche Fenster auf und hätte noch fast die Zukunft instandbesetzt, wären da nicht einige Nächte aufmarschiert mit ihrem tiefsten Blaulicht und Schlagstöcken aus Wind und hätten sämtliche Ansichten geräumt. Doch der Frühling kam wieder mit seinen sonnigsten Kumpels und Kumpaninnen, den prächtigsten Mittagen, ellenlange Bekannte, die beinah von früh bis spät reichten. Und während sie den Straßen ins Kreuz fielen, wurden den Gärten die buntesten Graffittis gesprüht.



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duala kamerun
hulliams kamlem




wunderlich

ein schuss lüsternheit
um die sinne windend
die nächte mit fahlem mondlicht übermalt
mit asche und heiden

ein oder zwei gramm
gestammelter silben aufs offene meer
der rest an tränen ungenügend
um jede trockenzeit zu überschwemmen
































flüge hoch
über ungewissem land
über schreibtischwelten
gsp













clemens gadenstätter
aus der ensembleprobe für madrigal1




audio




















selma ciz

bekanntmachung
f
ür hulliams kamlem


Hulliams,
ich stehe oft am Fenster
bin mir selbst aber kein Fenster
ich bin eher faul aber schnell
zerknickt, sehe
oft wie der Eine den
Anderen fickt
aber manchmal höre ich
auf der Bahnsteighärte
wie sanft die Uhr tickt, sanfter als
der Puls
Hulliams,
bitte ein Pils
nur Pils
zu nachlässigem Gedicht
zu nachlässigem Ende
auf dem
optimal drückenden
Bahngelände...































widhalm sound
ausschnitt aus 'quite strange'

fritz widhalm





audio































aus der serie
das fliegen über selbsterschaffene schreibtischwelten
gsp

















peter bornhöft
aus 'übers wasser gehen'


zurückgegeben hast du mich
nun an das ordentliche leben
jetzt begreif ich sprech dir nach
du könntest mir nachher beim tragen helfen
hast du hunger kratz mich mal ja da
komm lass uns gleich ins bett wir
wachen auf wie zwei verbundenen menschen

















michael halfbrodt
übersetzungen von lyrik sind neuschöpfungen
auf geniale weise gelang das michael mit texten von benjamin péret aus dem franz. „das große spiel“



DIE BLEICHE WOCHE

Blond blond war die Frau
die zwischen den Pflastersteinen verschwand
Steinen so leicht
dass man sie für Laub hätte halten können
und so groß dass man sie mit Häusern verwechselte
Es war das weiß ich noch ein Montag
der Tag an dem die Seife
die Astronomen zum Weinen bringt
Am Dienstag sah ich sie wieder
wie eine aufgeschlagene Zeitung
flatterte sie in den Winden des Olymps
Nach einem Lächeln das qualmte wie eine Lampe
grüsste sie ihre Schwester die Quelle
und kehrte in ihr Schloss zurück
Am Mittwoch glitt sie nackt bleich und rosenbekränzt
vorüber wie ein Taschentuch
ohne die Schatten ihrer Mitmenschen zu beachten
dis sich so weit erstreckten wie das Meer
Am Donnerstag sah ich nur ihre Augen
Freifahrtsignale für alle Katastrophen
Das eine verschwand hinter irgendeinem Hirn
und das andere wurde von einem Stück Seife verschlungen
Der Freitag ist wenn man liebt
der Tag des Verlangens
Doch sie entschwand mit dem Ruf
Tilbury Tilbury ich habe meine Flöte verloren
Geh und suche sie unter dem Schnee oder im Meer
Am Samstag erwartete ich sie
mit einer Wurzel in der Hand
bereit ihr zu Ehren
die Sterne und die Nacht
die mich von ihr trennten zu verbrennen
Doch sie war verloren wie ihre Flöte
wie ein Tag ohne Liebe
Und ich wartete auf den Sonntag
doch der Sonntag kam nie
und ich blieb in der Tiefe des Kamins
wie ein verirrter Baum


























das literaturmagazin

fördert junge autoren





info




















robert rumpf


was
kürzlich
sich
herausgewühlt
aus
protokollen/
ist
wechsel-wort/
daraus
ersteigen
seine leitern
berechnend/
träume des
wassers/

















mariana bronisch-lung
liesst matthias bronisch


auf youtube


















bei meinen flügen
über ungewissem land
sah ich die landflächen rot
und die meere ohne blau
gsp

aus: flüge über schreibtischwelten














robert rumpf
ein kleines zwischenspiel
audio














barbara rademacher
gladiator




"Es fing nicht damit an, dass ich mir Gedanken machte und schon gar nicht mit diesem Werbespot bei dem ganz viele Leute in so ner Bahnhofshalle rumsingen und da steht plötzlich dieser Typ, der aus dem Handyladen. …haach, Irgendwas mit Kaffeebecher! Oder Kacken! ----- POTTs!!! Paul Potts, genau den meine ich!!! Nen Typ, hässlich wie die Nächte einer ganzen Woche, mit so ner komischen Zahnlücke, durch die er sein Leben lang auf sich selbst gepfiffen hatte.
Doch - , eigentlich fing es schon mit ihm an - Oder vielleicht auch mit der Microsoft Reklame, weisst du, wo die immer so von der Vernetzung der Welt reden, jeder mit jedem, an jedem Ort, zu jeder Zeit. Jedes Land, jede Sprache ist Eins und verschmilzt zu diesem einen dicken wabernden pulsierendem roten Etwas, was da drin in deiner Brust schlägt! Ja auch Du könntest es sein! Der Messias! Der Messias der die frohe Botschaft verkündet:



Einsamkeit war gestern!!!






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klaus stadtmüller
ahnung




„Wie“, fragt sich die Frau, „ wie kommt so was bloß?“
Ihr Vater war kein Edelmann, aber trunken, als sie zur Welt kam. Und ihre Mutter
war blond und immer matt, seit sie sich ihrer entledigt hatte.

Die Großmutter väterlicherseits verpuppte sich bald nach der Niederkunft und begann zu sticken. Ihren Gatten sollte, ihr zufolge, der Teufel holen. Aber das tat der erst, als es, wie seine Frau fand, schon viel zu spät war.

Auf der Seite der Mutter verlor sich die Spur des Opas, eines Försters, bald im Nadelwald. Seine Frau trug eine Perücke. Die Haare hatte sie auf den Zähnen.

Mit ihren Urgroßeltern mütterlicherseits war nicht gut Kirschen essen. Früh waren beide zahnlos, der Mann als Totengräber, die Frau in Stellung beim Gemeinderat.

Aber die Großeltern ihres Vaters, das waren angesehene Leute. Wenn er von den Sitzungen des Kirchenvorstands nach Hause kam, schnallte er das Holzbein ab und machte der Frau Kinder, die sie pausbäckig machte und groß zog, bis sie für´s Krippenspiel oder den Barras taugten.

In der Generation davor wiederum war die Frau nur auf der Mutterseite fündig geworden. Da war ein Frieder K., der Grenadier war oder Schlachter oder beides. Der war zwiefach verheiratet, einmal mit einer Weißnäherin, die ihn mit dem Prälaten betrog, und dann, nachdem er beide erschlagen hatte, mit der Witwe eines Gefängnisaufsehers.

„Aha“, nickt die Frau, nachdem sie sich das alles klar gemacht hat, „da ist es kein Wunder, dass ich Schuppen und Plattfüße habe. Bei dieser Abkunft hätte es schlimmer kommen können.“

































wohliger kammerblues
aus gütersloh
vom trio allsaitz

jürgen schellin
galli trauernicht
jürgen zimmermann



audio