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fritz widhalm
wien


'ICHfragmente'

du du du du du du du du
die ichs verwickeln sich
willst du
ich will gern
die ichs verwickeln sich in die füsse
und die hände
es gibt kein vorher von nachher
es gibt kein nachher von vorher
es bleibt ein guter tag an einem guten tag
es bleibt sonne und regen
was für ein schönes wetter heute
in ewigkeit amen bis nächsten donnerstag
die zukunft lächelt und tritt näher
kommt zurück ich schaue nach der zukunft
in alle richtungen meiner augen
du schaust nach der zukunft
in alle richtungen deiner augen
von dort haben wir nichts gehört
bis hier haben wir nichts gehört
die zukunft setzt sich als gespräch fort
du du du du du du du
du gehst auf die andere seite
und kommst geradewegs hierher
käse und dann erinnern wir uns
käse braucht gefrässigkeit
um geliebt zu werden





















horst a. bruno
ein kleiner ausschnitt aus
'hundertwasser blut'


...
ist Hundertwasser
der Menschen Erfindung auf
phantastische See

Schmerz gegangen die
beschwören weil ich Kreuzen
kann das Ihnen kann
Ihnen gegangen ich See
auf das Hundertwasser Blut

Würger beschwören
weil herabstürzt des Winters
schrillem Schrei Kreuzen
...

























am letzten tag
schuf gott mich

beim ersten blick auf seine schöpfung
muss ich wohl sehr kommentierend geguckt haben

denn spontan
sagte er

"ok ... ich werde eine neue schaffen
ohne verrecken ohne elend ohne angst"



gsp



















lisa spalt
eine mini textprobe aus
'saschaident'
prosa in poetischer sprache






steuer da
fuss einwärts
flaggen raus
flaaaag ...
was will ich hier?
schreckt mein thrill-suport auf
wie kam
mein über-kopf rüber ins ich?
morph
der das ohr schrumpft
und ein frätzchen reisst-?
der strolch bringt oft rollen gut
das märchen vom ich liebte ich
schön klingt es zu stammeln

find, wille, dein ich!























klaus stadtmüller
singapur

träumt bei 30° im schatten
von den schönen möglichkeiten im schnee





















hellmuth opitz
aus dem neuen lyrikband
'die dunkelheit knistert wie kandis'




weisse metaphysik

in erwartung des neuesten neuschnees fuhren wir die
anhöhe hinauf. vor einer woche noch waren dies
pferdekoppeln gewesen, nun trug das ganze land
weisse weste, jedenfalls:

die weidezäune konnten so viel unschuld
nicht halten, den nebel schon gar nicht
der herunterwallte von bewaldeten hängen

wir hätten über windschneisen reden können
verwehungen, kältebrücken, doch da fragtest du:
ist nicht der schnee die fortsetzung des himmels
mit anderen mitteln

als wär's nicht schwer genug gewesen, den weg
zu ertasten, musstest du diese frage stellen
ganz altes thema, und prompt schwebten
wie aufgewirbelte staubflusen die ersten flocken herein

und dann begann das grosse verschwimmen: als eine
scheune am wegrand vorbeitrieb, schaute ich hoch
und wirklich ging ihr dachfirst nahtlos in dunst über

die grenze war aufgehoben zwischen himmel und erde
zwischen wirklichkeit und möglichkeit, zwischen der
frische des eindrucks und der abgenutztheit dieses bildes





















franziska röchter
'für c.'


hast du dir jemals vorgestellt
nur weil du dich mit mir verbandelst
dass du in dieser grauen welt
dich mal zu meiner muse wandelst
nur weil du scharfen ingwer schenkst
und an die schönen künste denkst

sei einfall mir und bring erleuchten
in geistesblitzverarmter stunde
fürs butterbrot der quarkaufstrich
für den genussverwöhnten munde
sollst du mir sein, im stressverseuchten
alltag die woll'ne seidenfluse
auf meinem perserteppich
des geomets hypothenuse
im obstsalat die ganz abstruse
doch urgesunde pampel muse

















marcus neuert


'meine goldene Freundin'

dort,
wo im sinkenden Licht ein Kanal einen Strom kreuzt,
wohnt meine goldene Freundin.
Sie lebt hoch oben in einem staubigen Stockwerk,
dessen Vordach zum Sprung in die Tiefe einlädt.
Doch schließt sie die Fenster vor mir
und füttert mich mit Küssen gegen den Kummer,
diesen Hunger, der nicht nachlassen will,
ob ich auch kreuzte mit dem Kanal oder gegen den Strom.
Dort, wo alle Wege zum Wasser führen,
glättet sie lächelnd meine zerknitterte Zeit,
fischt alles Verholzende ab,
bleicht uns das Segel weiß,
eine helle Flamme an tausend und einem Tag,
meine goldene Freundin.





















ein friedlicher ort

von den brandschatzungen der medien
noch nicht erreicht
von den marodierenden gedankenwelten
übersehen
leichen nur aus altersgründen
man kennt nicht das neuste
das alte reicht
man nutzt nicht das leiden
durch quälende worte
gsp

















ilse kilic
wien
textprobe aus 'monikas chaosprotokoll'
ein umfangreiches prosawerk ohne e und u
geschrieben im sinn
der methodischen beschränkung
der 'gruppe oulipo'



cogito, also bin ich?

ich bin organisch
biologisch
ja will ich das
will ich nicht doch dorthin
wo ich als kristall da bin
als ton
als schall
als platin granit
als radio
als aparat
als schrift
als licht
als salz
ich als animal rational
als point of no flashback
als risiko
als kompostfabrik
ich als adition von boa constrictor mit storch
von chow-chow mit nashorn
von aconda mit zorro






















hulliams kamlem/
duala, kamerun/
zur zeit chicago/


seifenblase

atme ein – rohen staub
zwar…

jedes sinnbild verliert sich in anagrammen
nicht-entrückt…

in orkanen lösen sich psalmen auf
durch und durch…

vorsätze tanzen wirr im kreis
weiter und weiter…

ein gedanke um gedanken schlendernd
dann…

die amseln kämmen jeden freudentaumel fein
dennoch…

du liest und wirfst die augen in den unglauben
wie sonst…

























die
die die käsehauben tragen
sind die ausgezeichneten
sind leuchtendes vorbild
gsp


















gerhard jaschke
wien/


eh logisch

während ich dort war
war ich eigentlich da

und während ich da war
war ich eigentlich dort

und während ich fort war
war ich eigentlich da

und während ich da war
war ich eigentlich fort

denn:
während ich wirklich da bin
bin ich eigentlich schon fort

und während ich fort bin
bin ich eigentlich noch da

und während ich hier bin
bin ich eigentlich da

und während ich da bin
bin ich eigentlich hier

grüss gott!




















michael halfbrodt
eine probe aus 'das grosse spiel'
von benjamin péret
übersetzt aus dem französischen


GEHEIMNIS MEINER GEBURT jan 12
für Colette Tual

Und als ich ihm entgegnete 19
antwortete er mir 19
22 wenn du Zeit zum Reichwerden hast
30 und 40 für die Komödie in zwei Akten
50 für deinen miesen Geburtstag
100 für die Annehmlichkeiten des Frühlings
Was den Rest angeht bin ich bleich und hypnotisch
aber kümmern Sie sich doch
um ihr eigenes Kopfsteinpflaster lieber
Doktor
und überlassen sie es dem sauberen Wasser
Schmutzwasser zu
werden
























ralf burnicki
iranische skizzen

'teheran II'

Wenn der Wind denken könnte,
würde er die Richtung wechseln
und den Regierenden den
Tag aus den Segeln nehmen
und den Menschen die Luft aushändigen,
ihnen den Rücken stärken
und die Hoffnung alarmieren
dass sie nicht schweigen muss
und auf die Straße gehen kann
wie sie will,
dass sie der Angst widersprechen kann
wann immer sie will
und nicht nachgeben muss
wenn ihr eine
Trostlosigkeit entgegenfällt






















susi venus von willendorf
'der männertraum der wachau'
das geballteste an gebrauchstüchtigkeit
das du im ganzen donautal
finden kannst
gsp



















peter bornhöft
'briefe aus adrasan'

Außer der Sonne
gibt es hier nichts
ich weiß nicht wo
das andere hin ging
aber das Dach ist weiß
begehbar schattenlos
ein paar vergessene Kakteen
wie aus grünem Zement
zwei Satellitenschüsseln
und dein Scherbentisch
aus farbigen Steinen
ein unentziffertes Muster
ein Brennglas
mit dem Boden verbunden
hier sitzt niemand
isst niemand
spielt niemand
die Hühner kommen
manchmal hierher -
ich decke den Tisch
mit deinen Gedanken
























matthias bronisch
'geh übers wasser'


geh übers wasser
versetz den berg
oder
mach auf der schwelle schon kehrt

was aber wird aus der taube
aus dem holterdiepolter
des einsamen klabautermanns
auf brüchigen planken

gedanken
an landgang
an wege
auch noch im dunkel zu finden
sind träume

wir gehn übers wasser
versetzen den berg
sieh nur
die taube aus weissem batist



















rolf birkholz
aus 'auf grauer spur'








odysseus, durrell, du

schwarz immer noch die oliven
weiss die madonna der myrthen
grünblau die wogen. sie spülten
drüben den irrfahrer an
komfortabel fliegst du aus den wolken
der rest ist zikadengezirp