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ILSE KILIC
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ilses ungewöhnliches leben begann
1958 in wien
später zeigte sich
ilse kilic
ist ein geniales multitalent
ilse kilic
ist musikerin
ilse kilic
ist cartoonistin
ilse kilic
ist literatin
ilse kilic
ist filmemacherin
ilse kilic
ist performancerin
ilse kilic
ist organisatorin
ilse kilic
ist powerfrau
ilse kilic
ist partnerin von fritz widhalm in fast allen denkbaren
und undenkbaren lebenslagen
seit 1989 gemeinsame herausgabe der
edition -das fröhliche wohnzimmer-
sowie seit 1990 der zeitschrift
-das wohnzimmer-

ilse kilic
NEWS



SIEHE AUCH AUFTRITTE UND BEITRÄGE AUF DER
SPECHTARTBÜHNE > HIER




o
2010
ilse kilic (& fritz widhalm)
sind so produktiv
dass eine stetig aktuelle übersicht über ihr tun
nicht mehr möglich ist



o

ILSE KILIC UND FRITZ WIDHALM MIT IHRER WOHNZIMMER
FILMREVUE
REGEL MÄSSIG AUF OKTO TV
webstream www.okto.tv
und wiener telekabel tv kanal 8




o
2008
ilse kilic & fritz widhalm
produzierten in diesem jahr eine fülle
von textlichen akustischen und optischen
kostbarkeiten/ siehe auch
www.dfw.at



o
auch 2008 organisierten
ilse kilic & fritz widhalm
viele ungewöhnliche auftritte
siehe auch www.dfw.at

beispiel
2008 november
DIE SPRACHHELDEN
VON WIEN
IM 'Werkzeug H'
BEWEGTE SPRACHE
VISUELLPOETISCHE UND
KLANGPOETISCHE PERFORMANCE MIT
elffriede/ christine huber/ elli schnitzer/
ilse kilic/ lisa spalt/ günter vallaster/
fritz widhalm/




o
ilse kilic & fritz widhalm
eröffneten das
GLÜCKSSCHWEIN-MUSEUM
&WOHNZIMMER-GALERIE
di do fr 15-18.30 uhr
WIEN
FLORIANIGASSE
IM ALTEN FRISÖRSALOON



ilse kilic
das neue buch
EINE SCHÖPFUNGS
GESCHICHTE
'
vom umgang mit den personen'

3-85415-376-7
ritter verlag
hagenstraße 3
A-9020 klagenfurt






o
interview
mit einem gesamtkunstwerk


das fröhliche wohnzimmer
eine schöpfung von ilse kilic + fritz widhalm

interview: birgit schwaner
siehe unten


o
ständige auftritte
ständige performances
ständige lesungen
siehe
die neue neue wiener gruppe

siehe auch

www.dfw.at


mit ilse kilic, liselotte lengl, jan weiss
bernhard spahn, michael fischert, thomas lang
marting kratky, george, andi menrath, paul öller



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ilse kilic 's
auszeichnungen

1986
max-von-der-grün-publikumspreis
für -literatur zur arbeitswelt-
der kammer für arbeiter und angestellte
für oberösterreich
und der stadt linz

1992
autorenstipendium
der stadt wien für literatur

1994
förderungspreis
der stadt wien für literatur

1996/97
staatsstipendium für literatur

1993
stipendium aus dem jubiläumsfonds
der literar mechana

1998
arbeitsstipendium der stadt wien

2000/2001
staatsstipendium




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ilse kilic 's
mitgliedschaften


austria filmmakers cooperative

grazer autorenversammlung

ig autorinnen autoren

.werkschaft



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ilse kilic 's
NEUERE VERÖFFENTLICHUNGEN SIEHE
www.dfw.at
buchveröffentlichungen
eigener arbeiten
ilse kilic arbeitet zusammen mit fritz widhalm auch noch als verlegerin und veröffentlicht die bücher anderer literaten


rote fäden
das fröhliche wohnzimmer edition
wien 1986

kleine schmutzige welt des denkens
gem. mit fritz widhalm
gangan-verlag
graz-wien-sydney
1989

mein liedlein geb ich nicht her
herbstpresse
wien 1990

zukunftskunde
notizen zum genetischen
gestaltungswahn
edition vido
1991

nütze die jahre
gem. mit fritz widhalm
edition mohs
1991

in den läufern ist das abenteuer
gem. mit fritz widhalm
exp. reihe der
gesamthochschule siegen
1992

die kunst des ReisZens
das fröhliche wohnzimmer edition
wien 1993

tauZiehen
gem. mit christine huber
edition gegensätze
graz 1993

lock o motive & schock o lade
edition aha
wien 1994

best sellers
gem. mit fritz widhalm
das fröhliche wohnzimmer
wien 1994

zimmer im merz
ein mEHrchen
edition ch
wien 1994

nichts neues!
gem. mit fritz widhalm
edition cat killer
essen 1994

irre trickohs/dicke luft
gem. mit fritz widhalm
krash verlag
köln 1995

gegen das seriöse
corvinus presse
berlin 1995

L5/S1
aus der krankheit eine waffel machen
ed. die donau hinunter / harafl
wien 1995

oskars moral
ritter verlag
klagenfurt / wien
1996

rosa
ein schweinecomix
das fröhliche wohnzimmer edition
wien 1997

als ich einmal zwei war
ritter verlag
klagenfurt-wien 1999

dieses ufer ist rascher als ein fluss!
gem. mit fritz widhalm
edition ch / wien
1999

die rückkehr der heimlichen zwei
ritter verlag
klagenfurt-wien
2000

neue nachrichten vom gemeinsamen herd
gem. mit fritz widhalm
edition ch
wien 2001

stellwerk 1
gem. mit fritz widhalm
clemens gadenstätter u. lisa spalt
edition ch
wien 2002

daily .werkschaft
gem. mit fritz widhalm
clemens gadenstätter u. lisa spalt
das fröhliche wohnzimmer
wien 2002

glückomania
ein traum in 164 bildern
gem. mit fritz widhalm
edition ch
wien 2002

himmelhunde - london im mai
gem. mit magdalena knapp-menzel
das fröhliche wohnzimmer
wien 2002

warum eigentlich nicht?
herbstpresse
wien 2002

monikas chaosprotokoll
im dampfkochtopf von oskars moral

ritter verlag
klagenfurt-wien
2003

2003 - odyssee im alltag
gem. mit fritz widhalm
edition ch
wien 2003

im bann der kurvenbar
gem. mit fritz widhalm
sukul tur
berlin 2003

vom kleinen esli und wie es in die welt kam
band 1 - 3
das fröhliche wohnzimmer
wien 2004

vom umgang mit den personen
eine schöpfungsgeschichte
ritter verlag
klagenfurt-wien 2005.

ach die sprache
edition zzoo
wien 2006

geschirr waschen solange sich der mond um die erde dreht
fussnoten zur weltgeschichte
2007

das zündblättchen 23
mit stempelgrafiken von else gold
edtion dreizeichen
meißen 2007

kuckuck, kuckuck
50 bildtexte von ach bis zurück
edtion ch
wien 2008

DAS WORT ALS SCHÖNE KUNST BETRACHTET
ritter verlag
klagenfurt-wien 2008.



ilse kilic ist cartoonistin und meisterin in vielen zeichenstilen








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ilse kilic + fritz widhalm
gemeinsame buchprojekte


ZEILEN ENTLANG DER ZEIT
edition ch
wien 2009.

DAS BIN ICH NICHT. DAS BIN NICHT ICH
das fröhliche wohnzimmer
wien 2008

EIN SCHWEIN VOLLER GEDANKEN
das fröhliche wohnzimmer
wien 2008

WIE WIR SIND, WAS WIR WURDEN
edition ch
wien 2007

EIN KLEINER SCHNITT
das fröhliche wohnzimmer
wien 2005

CATCOMIC
dition ch
wien 2005.

ZWISCHEN ZWANG UND ZWISCHENFALL
edition ch
wien 2005

IM BANN DER KURVENBAR
SuKuLTuR
berlin 2003

ODYSSEE IM ALLTAG
edition ch
wien 2003

GLÜCKOMANIA
Ein Traum in 164 Bildern
edition ch
wien 2002

DAILY .WERKSCHAFT
gem. m. clemens gadenstätter u. lisa spalt
das fröhliche wohnzimmer
wien 2002

STELLWERK 1
gem. m. clemens gadenstätter u. lisa spalt
edition ch
wien 2002

NEUE NACHRICHTEN VOM GEMEINSAMEN HERD
edition ch
wien 2001

DIESES UFER IST RASCHER ALS EIN FLUSS!
edition ch
wien 1999

IRRE TRICKOHS/DICKE LUFT
krash verlag
köln 1995

NICHTS NEUES!
edition cat killer
essen 1994

BEST SELLERS
das fröhliche wohnzimmer
wien 1994

IN DEN LÄUFERN IST DAS ABENTEUER
experimentelle reihe gesamthochschule siegen
1992

NÜTZE DIE JAHRE
edition mohs
wien 1990

KLEINE SCHMUTZIGE WELT DES DENKENS
gangan-verlag
graz-wien-sydney 1989




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ilse kilic
in zeitschriften und anthologien


script
klagenfurt

die rampe
wien

sklaven
berlin

mädchenmuster-mustermädchen
konkursbuchVERLAG
tübingen



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ilse kilic 's
beteiligung an
symposien

gegen die natur – gegen das natürliche

von der zukunftsrelevanz der gegenwart
zur gegenwartsrelevanz der zukunft

frauen in medizin, naturwissenschaft und technik

zukunft der arbei



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ilse kilic 's
radioarbeiten


und was machen sie
fragt nachbarin mich

gem. mit christine huber
1990

in den läufern ist das abenteuer
gem. mit fritz widhalm und stefan krist
1992

happy end
gem. mit fritz widhalm, stefan krist
und susa binder
1994

entwurf der kunstradiofamilie auer
gem. mit lucas cejpek
margret kreidl, fritz widhalm

gru-u-uselhörspiel
gem. mit fritz widhalm
1997

frankenstein's monster
trifft graf dracula,
der wolfsmann erzählt von seinen träumen,
fritz flirtet mit der mumie und
ilse berichtet von der notwendigkeit
des sommerlichen schwimmens
in hallenbädern zur erhaltung des
aufrechten ganges
gem. mit fritz widhalm
ö/1 1997

monster im all
oder dieses spannende und vergnügliche,
mit ungewöhnlicher geräuschkulisse
ausgestattete hörspiel verdient allein
schon durch sein engagiertes eintreten
für die errettung der bedrohten
monster sympathie
gem. mit fritz widhalm
ö/1 1999

frankenstein super-8
gem. mit
fritz widhalm, stefan krist
und susa binder
radio orange 1999

radio monster
oder völker höret die signale:

wir lieben euch! wir beissen alle!
gem. mit fritz widhalm
ö/1 2001.

als ich die kellerstiege hinunterging
oder hinauf

gem. mit fritz widhalm
zum kukuk e.v. - romantisches in jena:
dichtung im radiokanal 2001

monsterzeit
oder in knappen fünf minuten
unterwerfen sich graf dracula
und frankenstein's monster dem willen
der wunderschönen
schwanenhalsentraumgestalt plurabella
und folgen ihr mit begeisterung auf
ihren von unwegsamen wäldern und dem
silberglanz der monde überzogenen
heimatplaneten
gem. mit fritz widhalm
ö/
1 2002

das dumme herz
oder ilse und fritz
auf der suche nach dem happy end
ö1 2003

3 minikrimis
in der Reihe
FUCHS UND SCHNELL
kunstradio Ö1 2007.

ERGÄNZEN SIE DIE EINRICHTUNG IHRER WOHNUNG MIT EINEM SCHRIFTSTELLER ODER EINER
SCHRIFTSTELLERIN

literatur als radiokunst
Ö1 2008.

DAS UNBEHAGEN IN DER FIGUR
Radio FRO 2009.



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ilse kilic 's
filme


mein leben und streben 1
1996

mein leben und streben 2
1997

märchen - der film
gem. mit petra nachbaur
1997

das dumme herz und der kleine revolver
gem. mit fritz widhalm
1997.

frankenstein super-8
gem. mit fritz widhalm
1998.

mein leben und streben 3
2000

tricky women
trailer zum festival
2000

der froschkönig
gem. mit fritz widhalm
2001

die ilsefritzrolle1
gem. mit fritz widhalm
kurzfilme von 1989 bis 2001

winnetou 1 super-8
gem. mit fritz widhalm
2002

the making of winnetou 1
gem. mit fritz widhalm
2002.

wenn
2003.

ilse und fritz
zeichnen fritz und ilse
super-8
2003

durch das experiment
zu sicherem wissen
video 2004

köstliche ungeheuer
video 2004

WIE AUS DEM KLEINEN ESLI
DIE GROSSE ILSE KILIC WURDE
Video 2004

WIE DAS KLEINE ESLI
DIE GROSSE LITERATUR KENNENLERNTE
Video 2005

BILDERRAUSCHEN
Video 2005

DER INHALT IST DEM GEDICHT ENTNEHMBAR
Video 2005

VOM GLÜCK, Video 2006

DAS LICHT DES STERNS
Ein Film für Heidi Pataki
Video 2007

DER GRUND DES HERZENS WIRD BESTELLT
Ein Hauptverzeichnis liegt schon vor
Video 2007

ABENTEUER IM ATTERSEE
Video 2008

ES LIEGT AN EINES MENSCHEN SCHMERZ
Video 2008

URLAUBSFILM
Video 2008




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ilse kilic 's
musik
gemeinsam mit fritz widhalm + friends


LET‘S DANCE/PIPS PIPS BRUMM
gem. mit stefan krist und sonja wally
single 1991

BUY BUY LOVE
gem. mit susa binder und stefan krist
miniCD 1994

DAS FRÖHLICHE WOHNZIMMER 1986 - 1996
gem. mit susa binder, bernhard kölbersberger,
stefan krist und sonja wally
CD 1996

DAS FRÖHLICHE WOHNZIMMER LIVE
gem. mit susa binder, bernhard kölbersberger,
stefan krist u. sonja wally
CD 1999

MINUTEWORKS: FOOLISH DRUNKEN
miniCD 2001

ALS ICH DIE KELLERSTIEGE HINUNTERGING ODER HINAUF
CD 2001

WINNETOU
gem. mit rudolf lasselsberger und florian müller
miniCD 2002

GREECE
YOUNG WOMAN PREPARING TO STRADDLE A YOUNG MAN
miniCD 2003

HYMNUS AUF DIE LEIDEN DES HEILIGEN SCHWEINES
gem. m. helmut eisendle
miniCD 2003

PINKWORLD
gem. m. clemens gadenstätter
CD 2003

ARE WE DREAMING?
miniCD 2004.



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interview
mit einem gesamtkunstwerk
[ilse kilic + fritz widhalm]
geführt von birgit schwaner

Das -fröhliche Wohnzimmer- und seine Bewohner

Ernst Jandl, damals, hat zum Namen gratuliert. Der war, wie es einem Avantgarde-Verlag ansteht, mehr bis minder zugefallen, objet trouvé, und basierte - literarisch günstiges Omen - auf einem musikalischen Erlebnis: 1982 spielte Ilse Kilic in der Band "Magendarmtrakt": „Die Musik war eine Mischung aus Industrial, geniale Dilettanten und Punk“, erzählt sie. „In einer Kritik unserer ersten Kassette mit dem Titel ,Wurmfortsatz´ in der Zeitschrift ,Sounds´ wurde unsere Musik als ,Musik aus dem fröhlichen Wohnzimmer´ bezeichnet. Und schwupps - schon hatten wir unser Markenzeichen." Mittlerweile ist die Edition „Das Fröhliche Wohnzimmer“ von Ilse Kilic und Fritz Widhalm eine feste Größe, das heißt Tat-Sache im österreichischen Literaturbetrieb.
Eine der wenigen Adressen für Schreibende, Lesende, die im freien Abseits traditionellen Erzählens ihren Ausdruck finden, im doppelten Sinn. Definition laut Verlagsprospekt: „zeitgenössische literatur listig programmatisch chaotisch geordnet. experimente / basteleien / formen / strukturen." Oder, an anderer Stelle: „vorwiegend experimentelle Literatur. Nichterzählungen.“
Die geläufige Bezeichnung „experimentelle Literatur“ fasst mehr schlecht als recht zusammen, was sich ansonsten kaum in eine Kategorie pressen lässt. Gewiss ist nur: es handelt sich um "Nichterzählungen", um Texte, die oft in Nachfolge bzw. Weiterentwicklung der Avantgarde der Moderne geschrieben, montiert, konzipiert, wurden. In denen, salopp gesagt, der scheinbar rote Faden der Geschichte zerschnitten ist, sei es hinter jedem Buchstaben, oder erst nach mehreren Absätzen und die Aufmerksamkeit der Sprache und ihren Mechanismen, Sprach- und Reflexionsverläufen gilt. Vorkommende Protagonisten, inklusive des Autors, der Autorin verlieren den Anschein der Selbstbestimmtheit, sie werden zu Personen, die „die Sprache denkt“. Was manche, manchen beunruhigt und irritiert - anderen die Wirklichkeit adäquat widerspiegelt . . .
Das „Fröhliche Wohnzimmer" entstand, so Ilse Kilic und Fritz Widhalm, „auch aus dem Interesse an der Art Literatur, wie wir sie selbst schreiben - also tendenziell experimentell - und aus dem Gefühl heraus, dass es viel gibt, was lesenswert wäre. Es gab eine kleine Gruppe Autor/innen, die über die Strategie nachdachten, wie man diese Texte an die Öffentlichkeit bringen kann."
Das war Mitte der 80er Jahre, in Wien: Anfangs ging es dem vielseitigen Künstlerpaar darum, vor allem eigene Texte und Bilder zu veröffentlichen. 1984/85 produzierten sie zuerst die Zeitschrift „Drucksache“, die fünf Nummern lang überlebte. 1986 bis 1989 folgten, wie Fritz Widhalm erzählt: „fünf fotokopierte, handgebundene Bücher im Taschenformat", mit handgemaltem Cover, „die wir in kleinen Auflagen von zirka 100, 150 Stück herstellten.
Wir sind von Beisl zu Beisl gegangen und haben die Bücher relativ billig verkauft."
Vor allem im 8. Bezirk, wo auch jetzt, in einem Gründerzeitbau in der Fuhrmannsgasse, zwischen bunten Zimmerwänden „Das fröhliche Wohnzimmer“ beheimatet ist, gab es mehrere, von Autoren produzierte und verkaufte Literaturzeitschriften. Etwa die Zeitschrift „um“ von u. a. Christine Huber und Junki Wehrmann, zwei Autoren, die inzwischen längst in der Edition mit Büchern vertreten sind.
„Im Nachhinein“, erinnert sich Ilse Kilic, „sind die Gespräche und Interaktionen mit Christine Huber und Junki Wehrmann für uns sehr wichtig und hilfreich: man hat sich gegenseitig gestärkt; die Diskussionen über formale Fragen, experimentelle Schreibweise, Dadaismus, August Stramm usw. habe ich aufgesogen . . .“.
Heute würde man wohl sagen, dass vor 15 Jahren ein Netzwerk um Ilse Kilic und Fritz Widhalm entstand, eine lose Gruppierung von Autor/innen, die sich - relativ unversehrt von Einzelkämpfer-
fantasien und verkehrter Ellbogenmentalität - durchaus für ihr literarisches Umfeld interessierten. Man verstand und versteht sich als Minderheit, deren „Angehörige“ einander nicht bekämpfen sollten. So Fritz Widhalm in einem aktuellen Interview: „Die Idee, ein kleines Netzwerk aufzubauen, das sich gegenseitig mit Wohlwollen gegenübersteht und in einem kleinen Rahmen auch unterstützend wirken kann, wirkt möglicherweise etwas weltfremd, hatte und hat aber eine große Bedeutung für unsere Arbeit. (. . .) Natürlich fördert man auch sich selbst, indem man die anderen fördert.“
Dementsprechend wurde das erste gedruckte „Wohnzimmer“-Buch, 1989 als „BUCH“ erschienen, eine Anthologie. Entsprechend der Idee, dass die Arbeiten und nicht einzelne (prominentere gegenüber unbekannten) Autoren im Vordergrund stehen sollten, waren die Texte mit Nummern versehen. Die Namen (quasi Etiketten) der Autoren konnte, wer wollte, nachschlagen. Ein Prinzip übrigens, das Fritz Widhalm später für die „Wohnzimmer“-Zeitschrift übernahm, die er in unregelmäßigen Abständen seit 1990 herausgibt.
Bis heute sind rund 50 Titel erschienen. Mittlerweile hat sich die Anzahl der Neuerscheinungen auf etwa 5 Titel pro Jahr eingependelt, in einer Auflage von fünf- bis sechshundert Stück. „Anfangs, als Werner Herbst (ein weiterer Autor-Verleger) sagte, eine Auflage von 500 Stück ist genug, haben wir ihm nicht glauben können. Mittlerweile sind wir realistischer. Bei dieser Zahl kann ein Buch noch in absehbarer Zeit unter die Leute gebracht werden."

Natürlich wird nicht mehr im Beisl verkauft. Wer „Das Fröhliche Wohnzimmer“ nicht in Form eines Büchertischs bei Lesungen, literarischen Veranstaltungen sichtet, kann einzelne Titel direkt oder über den Buchhandel bestellen. Den Autoren rät Ilse Kilic dennoch zu Eigeninitiative: „Es ist wichtig, dass sie Bücher auf Lesungen mitnehmen und sich auch für den Verkauf einsetzen . . .“ Und erwähnt in diesem Zusammenhang den Autor Christian Futscher, der in seinem ersten Buch „was mir die adler erzählt“ per Bild und Buchstabe seine Schreibmaschine, Marke Adler, reden lässt: „Das einzige unserer Bücher, das eine zweite Auflage erlebte; aber Christian Futscher arbeitet auch als Kellner im Stadtheurigen, hat viele Freunde und wurde im ,Falter' empfohlen "
Auch wenn seit 10, 20, vielleicht seit 80 und mehr Jahren, seit den Dadaisten, die Zahl derer, die „experimentelle Literatur“ lesen (und kaufen) relativ konstant geblieben ist, und wahrscheinlich bleiben wird. Auch wenn seitdem tausendfach erfahren wird, dass hier in der Regel weder Autoren noch Verleger vom Verkauf allein werden leben können: Die Zahl der Manuskripte, die hoffnungsvoll tagtäglich in großen und kleinen Verlagen landen, nimmt keinesfalls ab. In der Fuhrmanngasse sieht Ilse Kilic die stetige Zunahme überraschend eintreffender Manuskripte als Zeichen, dass der Verlag sich etabliert - was aber nicht heißt, dass entsprechende Geschäftspraktiken übernommen würden.
Fritz Widhalm konkretisiert: „Also, es kommen auch für uns sehr gruselige Sachen, Heimatdichtung und so . . . dadurch, dass wir „Das fröhliche Wohnzimmer" heißen. Aber wir versuchen, jedem zurückzuschreiben, zumindest eine Karte, auf der wir mitteilen, dass wir ein anderes Verlagsprogramm haben". „Und dass unser Output klein und bereits geplant ist", ergänzt Ilse Kilic. Wobei „Output“ noch Lektorat, Layout und Produktion umfasst, von zusätzlichen Arbeiten ganz zu schweigen. Im Rahmen einer Edition bleiben die Rechte bei den Autoren, mit denen man, so intensiv wie möglich, zusammenarbeitet. Den oft kleinen, ansprechenden Bändchen (häufig Lyrik!) hat sich mittlerweile die von der Autorin Petra Nachbaur verantwortete Reihe „mitnichten“ zugesellt . . .
Doch fast müßig, nun zu bemerken, dass genau genommen das Paar Kilic/Widhalm nicht nur einen Verlag leitet, sondern, eigentlich der Verlag ist, und nicht nur der Verlag, sondern mit diesem zusammen eher etwas, was in Richtung Gesamtkunstwerk tendierte, wäre es nicht so lebendig und sinnvoll chaotisch. Wer den Verlag besucht, tritt in eine Wohnung, wird auf einen Kaffee in ein Zimmer eingeladen, dass zugleich Wohnzimmer und Verlagsraum ist, und sieht sich dort Auge in Äuglein mit Plüsch- und Spielzeugschweinen konfrontiert, mit Papierschweinen, Sparschweinen, Plastik- und Keramikschweinen in allen Farben und optimistischen Rosa-Tönen . . . Die er nach einer Weile als weiteres Zeichen eines funktionierenden Netzwerks deuten lernt. Das Schwein gilt hier - wie anderswo Rabe und Eule - als Markenzeichen und Maskottchen. Derlei, mutiert unter Freunden ins Materielle: zum Mitbringsel.
Ein solcher Raum allein taugte als Dokument der Symbiose von Beruf und Leben, diesfalls auch öffentlichem und privatem Dasein. Wiederspiegelt im Kleinen schon den Impuls zur Grenzaufhebung bzw. lustvoller Offenheit, die ansteckende Freude am gezielten Chaos, am Abweichen, die Ilse Kilic und Fritz Widhalm in ihren multiplen Tätigkeiten zu charakterisieren scheint.
Die 1958 geborene Wienerin und der um zwei Jahre ältere Niederösterreicher lernten sich 1984 kennen, treten seitdem als Musiker auf, schreiben allein und zusammen, drehen Filme, zeichnen Comics, fotografieren und organisieren Veranstaltungen (zuletzt die Reihe „ProsaProgramm“ im Amerlinghaus) . . . um kurz vom Verlag abzusehen.

Musikalisch scheut die „Wohnzimmer“-Band (zusammen mit Susa Binder und Stefan Christ) keine Demonstration dessen, was man mit Ilse Kilic als „begnadeten Dilettantismus“ bezeichnen könnte. Dies aber mit so ungeheurer Lust am rhythmischen (und geprobten) Durchbrechen der Grenze zwischen Ton und Geräusch, dass Kritikermeldungen wie „das ist Punk, wenn der Strom ausfällt“ oder „das fröhliche Wohnzimmer liegt im innersten Bereich einer Nervenheilanstalt für unheilbar Kranke“ anerkennend zu verstehen sind.
Und die Literatur? Die möge man lesen. Die Bücher und Texte von Ilse Kilic und Fritz Widhalm sind in der Regel nicht in ihrem Verlag erschienen. Sondern etwa bei Gerhard Jaschke, in der Edition „Freibord“ oder bei Christian Steinbacher in der Edition „Blattwerk“ - jeder ebenfalls Autor und Verleger in Personalunion. Oder im Ritter-Verlag, der mutig eine Reihe für experimentelle Literatur im Programm führt. Empfohlen sei auch die „edition ch“, in der letztes Jahr das Kilic-Widhalm-Gemeinschaftsprojekt verlegt wurde, ein „Verwicklungsroman“, Titel „Dieses Ufer ist rascher als ein Fluss“, in dem man die autobiografischen Notate eines fiktiven Kleinverlegerpaares lesen kann . . .
Zu hoffen bleibt, dass es sich hierbei um keine aussterbende Daseinsform handelt. Denn das würde wieder heißen, ein Stück der Vielfalt möglicher Blickwinkel, Lebensqualität, Sprach- und Gedankenreichtum würde verschenkt - was derzeit leider ständig geschieht, unter dem pauschalen Vorwurf der Unrentabilität. Unrentabel - letztlich: jeder Mensch, unnotwendig das ganze Leben. Ilse Kilic und Fritz Widhalm haben einen kleinen Text zur „notwendigkeit des unnotwendigen geschrieben“. Abschließend ein Auszug:
„widmung 10: diesen text widme ich denjenigen unter meinen freundinnen und freunden, die das gefühl haben, es gäbe schon so viele bücher, daß es keinen sinn hat, neue zu produzieren, ein argument, das einiges für sich zu haben scheint, dem ich aber entgegenhalte, daß buch eben nicht gleich buch ist und daß nicht jeder das gleiche buch lesen muß. und nur von bestimmten büchern gibt es so viele, unter anderem deshalb, weil jemand draufkam, daß sie sich in größeren mengen billiger produzieren lassen. das, was in den sogenannten ,nischen´ existiert, will und kann es an auflagenhöhe natürlich nicht mit den best-sellern aufnehmen - dort aber mit dem vorwurf des ,un-notwendigen´ anzufangen kommt mir ein bißchen vor, als wollte man zuckerlgeschäften oder bäckereien empfehlen zuzusperren, weil es eh genug supermärkte gibt.“




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