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2008/5



BERICHTE
ÜBER DAS ERLANGEN DER LEICHTIGKEIT/
GEDANKEN UND ZEICHNUNGEN VON
GÜNTER SPECHT


SEIT 1993





































die kirche kam mit dem dampfer
in der verkleidung einer orthodoxen basilika
alles liebevoll mit der hand gemalt

am ufer menschen die sich trost erhofften
in ihren armen die dinge
für den schnellen segen

der ganterich paul war heute
das letzte mal dabei

gute vorbereitung war nötig
denn der priester musste pro tag
40 kilometer ufer schaffen

und schon legte er wieder ab
auf dem schornstein die turmzwiebel
aus der qualm quoll

das mittelschiff verzogen
schräg über den maschinenraum
nicht grade und nicht quer
trieb der dom den strom hinunter

bemalter sperrmüll

ein bunter haufen

der das ewige leben versprach


23.08.08




















unwirtlich ist es geworden
der winter kriecht in die letzten winkel
eiskalte schauer fegen übers land

























sehen
hören
begreifen
erleben*










*erleben
das leben mit inhalt füllen






























während die bösen
in der hölle lüstern mambo tanzen
und die knien sehnsüchtig zwischen die schenkel des anderen drängen
sind die guten im himmel
nun unter sich

sanfte sprache
sanfter umgang
nichts zum maulaufreissen
denn die unkorrekten sind ja jenseits

trübe gehts dem guten
ohne des guten
besten feind

in der hinteren ecke denken sich welche geschlechtsneutrale begriffe aus
um der lust
das letzte hintertörchen zu verschliessen

lehrerin und lehrer
treffen nicht mehr aufeinander
keine chance mehr für funkenflug

das zimmermädchen und der liftboy
geschlechtsfrei im spätdienst
ihnen wurde das paradies genommen

auch mutter und vater sind weg

ja
und gott
mit ganz neutralem haarwuchs
ein zwittriges DAS
mordet keine 4000 mehr
erseuft keine ägypter
schlachtet nicht mehr kind frau und vieh
weil sie doch im wege standen
straft nicht mal mit mildem blick

dafür aber
mit dem ewigen
nie endenden leben


26.08.08














meine dicken freunde
ganz in der nähe wohnen sie
oft können wir uns sehen






























ein linolschnitt den ich als schüler schuf
also ca 1950
von mäusen angefressen
überlebte er knapp
die jahre






















die welt färbt sich betörend fremd






























da verirrten sich buchstaben
im setzkasten der jahreszeiten
träumten in den besonnten herbstnebeln vom übermut der frühen monate










meinten sie sollen
den frühling beschreiben















































frühe 60er jahre
irmgard























die vielen kleinlichen bemühungen liessen die zeit ins land gehen
und aus der quicklebendigen idee
wurde eine verquängelte hoffnung

sie hatte es verpasst im rechten moment
aus dem fenster zu springen

nun sass sie bei den anderen
die auch nichts wagen
aber auch nichts gönnen

und immer wieder gings drum
wie gefährlich das springen sei
um die brüche um die wunden
um die splitter um die schnitte

um die tiefen schnitte
wenns den falschen fuss erwischt



19.08.08































der männertraum
von unabhängigkeit
gsp




























gott gefiel es
ihn heim zu rufen

diesen sinn muss man sich
auf der zunge zergehen lassen

schliess die augen
schlürf die schwarzen worte
aus meisterhand

bei wem es ihm gefiel?

na, das sagt der satz doch

bei irgendeinem gregor
einer maja
einer lisel
einem alten
einer jungen
ohne grund

nur so

genau so grundlos
wie er uns befahl

zu leben


14.08.08





















und manche begegnungen bleiben
bis hinein in die träume
























gern begegne ich vertrauten dingen

guten morgen zum beispiel
sage ich tag für tag dem
mädesüss



28.07.08
























wieder so ein zukunftsprojekt








mit euphorie begonnen
und nun weiss keiner weiter




















treffpunkt
"alte kanne"


ein letzter plausch bevor der eiswind sie alle vertreibt
in ihre warmen stuben
um dort vom kommenden mai zu träumen

















merkur zum ersten mal
am meeresstrand /
alles zum ausschneiden


12.08.08



























als ich noch mit dem fahrrad zu meinen motiven fuhr






an den wegen wuchs noch die heide

und die zwei drei kühe der kleinbauern fanden den weg zu ihrer weide ganz allein
man musste zu ihrer beruhigung nur einfach mitlaufen

zu ihren riesigen körpern schaute ich ängstlich auf
aber friedlich und gutmütig trotteten sie die sandwege entlang
ihr aufgewirbelter staub legte feinen dunst übers land




























hee
gib deinem kind
mal lehm
immernoch durchtränkt von gottes genialität
reste vom sechsten tag
kindliche schöpfergewalt jedenfalls
sollte dich nicht schrecken
bekämpf sie nicht mit fertigspielzeug
wisse

götterknete
macht flecken fürs leben

2.8.08




























einfach nur unordnung








mehr nicht

























neulich entdeckte ich an mir
einen kleinen aufdruck

"haltbar bis 1999"

überlagert
schoss es mir durch den kopf
bald wirst du aus dem regal genommen

andererseits handele ich mit 2026
der bauzeit meiner projekte
auf der bank vor der nordsee
wollen wir uns danach
dann treffen

ich sehs schon
zwei alte mit weissem haar
umringt von 17

dann bauen wir nicht mehr
dann planen wir nur noch

planen
revolutionen
orgien und flüge zum neptun
und weltrekorde im brustschwimmen
südlich der krummen hörn
da wo die nordsee am wärmsten ist



08.08.08















der raum der erkenntnis
kann zur zeit wegen pfusch am fussboden nicht betreten werden
in ca 6 wochen werden erkenntnisse in uneingeschränktem umfang wieder möglich sein



27.7.08

































der gütersloher
datenschuh
dem man auf grund seiner eleganz
die ungeheuerlichen möglichkeiten nicht ansieht



























wenn heimat schon kein land ist
keine stadt
kein dorf
dann vielleicht hinter einem fenster



30.7.08















ach
ein künstler

ist er naiv
so wird er doch nicht kopfen
wird selig und frei bleiben

ist er gebildet
so stürzt er sicher sein wissen von bedeutung
bald auf die fläche

und ist er von heute
so versucht er den philosophischen diskurs
verdeutlicht
warum zwerge über türrahmen wohnen
und lacht

die eingesessene kulturbürgerschaft
stellt ob solchen lärms die seitenblenden enger
zupft nervös am karo
und gleich liegt wieder ernst
über den hallen der nekropole

die betrachtung der gehängten grabmäler
kann mit gewichtigem brauenheben
fortgesetzt werden

und der rest der welt

ach
am arsch vorbei
geht ihm die kunst


29.08.08











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